Bauwirtschaft aktuell, Nr. 2

Raumentwicklung und Bauwirtschaft

Es braucht Raumplanung – auch aus Sicht der Bauwirtschaft
Zur „Metropole Schweiz“ gehört – neben Zürich, Basel, dem Bassin Lémanique und der Hauptstadtregion Bern – das ganze Städtenetz mit den mittleren und kleineren Städten. Realität ist, dass die ganze Schweiz mehr oder weniger zu einer grossen Agglomeration zusammengewachsen ist, mit nur noch wenig grösseren „grünen“ Flächen. Unser  Wohlstand braucht in der Tat Raum, Fläche. Die Wohnfläche pro Person sowie der Wohnkomfort sind über die Jahrzehnte massiv gestiegen. Es steht ausserdem ein immer reichhaltigeres Angebot von Dienstleistungen, Konsumgütern und Freizeiteinrichtungen zur Verfügung. Die Mobilität macht weit entfernte Regionen und dort wohnhafte Freunde, Verwandte oder attraktive Arbeitsplätze erreichbar. Und unsere  hoch kompetitive Wirtschaft stellt hohe Anforderungen an die Infrastrukturen. All das bedarf Raum und Boden.  Aufgabe der Raumplanung darf es nicht sein, diese Dynamik der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung zu bremsen; im Gegenteil: Sie soll diese in effizienter Weise unterstützen, sie gleichzeitig aber auch ordnen.

Was Raumplanung bewirken kann und was nicht
Die Raumplanung hat in dieser Lenkungsaufgabe durchaus Optimierungspotential. Eine totale Lenkbarkeit von raumordnungs-, wirtschafts – und gesellschaftspolitischen Prozessen ist zwar eine Illusion und auch kaum erstrebenswert. Raumplanung vermag aber beispielsweise das Siedlungsgebiet zu strukturieren, schützenswerte Landschaften zu erhalten und die Siedlungsentwicklung in geordnete Bahnen zu lenken. Intakte Landschaften sind nicht zuletzt  für den Wirtschaftsstandort Schweiz von Bedeutung. Die  Raumplanung schafft Rechtssicherheit für Investoren, hält die nötigen Räume für künftige Infrastrukturen frei und ist das Instrument zur Bewertung und Abwägung der verschiedenen Interessen, die bei jedem Bauprojekt zwangsläufig ins Spiel kommen.

Was macht eine gute Raumordnungspolitik aus?
Eine effiziente Raumordnungspolitik verlangt eine Betrachtungsweise über die Grenzen der politischen Körperschaften (Gemeinden, zum Teil Kantone und allenfalls gar unseres Landes) hinaus. Dafür braucht es vor allem eine Stärkung der kantonalen Richtplanung als strategische Steuerungsstufe.
Weiter ist die Siedlungsentwicklung nach innen zu fördern. Es geht dabei neben der Auffüllung von Baulücken und der Nutzung von Industriebrachen namentlich auch um die Erweiterung bestehender Bauten und eine intensivere Nutzung der vorhandenen Bausubstanz. Dies erfordert in vielen Fällen eine Liberalisierung der Bauvorschriften. Langwierige, komplizierte Verfahren und tendenziell zu umfassende Einsprache- und Beschwerderechte verzögern oder verhindern immer wieder sinnvolle Bauvorhaben und können einer effektiven Verdichtung im Wege stehen. Die Verfahren sind daher zu straffen und zu beschleunigen.

Das raumplanerische Instrumentarium in der Revision – Beurteilung
Das raumplanerische Instrumentarium wird zur Zeit auf Bundesebene einer umfassenden Revision unterzogen: 1. Das Raumkonzept Schweiz: Es enthält Strategien zur zukünftigen räumlichen Entwicklung unseres Landes. Bund, Kantone, Städte und Gemeinden haben das Raumkonzept Schweiz gemeinsam erarbeitet. Auch wenn die Wertungen in wichtigen Punkten zu einseitig in Richtung des Schutzgedankens ausgefallen sind und die Zielsetzungen die Raumplanung stellenweise überfordern, ist diese gemeinsame strategische Gesamtplanung im Grundsatz zu begrüssen. Redaktionell könnte das Raumkonzept durchaus noch entschlackt werden. Materiell sind namentlich die Handlungsfelder von nationaler Bedeutung noch zu wenig herausgearbeitet. 2. Die in den Eidg. Räten hängige Teilrevision des Raumplanungsgesetzes (RPG-Revision 1. Etappe): Nach aktuellem Beratungsergebnis werden künftig klare Vorgaben an die Richtpläne der Kantone zur besseren Steuerung der Siedlungsentwicklung gemacht, die Bauzonen über die jeweiligen Gemeindegrenzen hinaus abgestimmt und das Kulturland vermehrt geschont. Statt auszuufern sollen sich die Siedlungen nach innen entwickeln. Die recht schlanke Gesetzesvorlage eignet sich gut als griffiger indirekter Gegenvorschlag zur so genannten Landschaftsinitiative, die schlicht nicht umsetzbar, raumplanerisch kontraproduktiv und volkswirtschaftlich schädlich ist. 3. Bereits ziemlich fortgeschritten ist auf Verwaltungsstufe eine zweite RPG-Revisionsetappe, welche Themen ausserhalb des mit der ersten Revisionsetappe anvisierten Bereichs der Siedlungsentwicklung aufgreift. Der Themenkatalog ist gewaltig! Es ist zu hoffen, dass nicht eine ausufernde, aufgeblähte und wenig vollzugstaugliche Gesetzgebung vorgeschlagen wird, wie damals beim Entwurf für ein Raumentwicklungsgesetz, welcher dann in der Vernehmlassung prompt Schiffbruch erlitten hat.

Raumplanung und Umweltrecht

Eine effiziente Raumentwicklung soll nicht an den sektoriellen Vorschriften der Polizeigesetzgebung scheitern. Die Steuerungs- bzw. Koordinationsfunktion der Raumplanung ist gegenüber dieser oftmals mit starren Vorgaben operierenden Gesetzgebung (in erster Linie, aber nicht nur das Umweltrecht) zu stärken. Die Einführung einer strategischen Umweltprüfung (SUP) ist aber nicht nötig. Es liegt zwar auch im Interesse der Wirtschaft, wenn klare Vorgaben für Siedlung und Verkehr, für Landschaft, Ver- und Entsorgung etc. bereits auf strategischer Ebene gemacht werden, sich dadurch die Planungssicherheit erhöht und allenfalls langwierige Rechts- und Bewilligungsverfahren vermieden bzw. verkürzt werden können. Formalisierte Verfahren wie die SUP würden aber zu einer weiteren Verkomplizierung der Verfahren beitragen. Die Risiken einer SUP bewertet bauenschweiz als weit höher als die Chancen, damit die Verfahren zu beschleunigen und die Umweltverträglichkeitsprüfung zu entlasten.

Das formelle Baurecht – und nicht nur dieses – ist zu harmonisieren 
Die Regelungsvielfalt der kantonalen und kommunalen Gesetzgebungen und Vollzugsvorschriften im Baubereich führt dazu, dass sich Investoren unter Umständen mit grossem Aufwand in die jeweils geltende Rechtslage eines bestimmten Kantons einarbeiten müssen. Auch Planungs- und Baubetriebe sind gezwungen, sich mit unverhältnismässig vielen Vorschriften und Bestimmungen zu gleichen Sachverhalten auseinanderzusetzen. Zwar sind die Kantone daran, mit einem Konkordat die wichtigsten Baubegriffe formell zu harmonisieren. Aber die Sache schreitet sehr langsam voran. bauenschweiz hat bereits 2007 in einer Resolution der Erwartung Ausdruck gegeben, dass die Kantone die Definitionen des Konkordats zügig ins kantonale und kommunale Recht übertragen und sich schon jetzt mit dessen Weiterentwicklung  auseinandersetzen. Bisher sind aber nur neun Kantone dem Konkordat beigetreten sind, und eine Vertiefung der Interkantonalen Vereinbarung bzw. eine Weiterentwicklung ist noch nicht absehbar.

Die Erneuerung des Gebäudeparks

Im Bereich Unterhalt und mit Bezug auf energetische Sanierungen liegt für die Bauwirtschaft ein enormes Potential. Denn Gesellschaft und Volkswirtschaft sind daran interessiert, dass der Gebäudepark nicht verlottert. Mit der neuen CO2-Gesetzgebung erhält der Gebäudesektor eine noch zentralere Bedeutung für den Klimaschutz. Die Rahmenbedingungen sollen diesen Stossrichtungen Rechnung tragen. Deshalb hat bauenschweiz im vergangenen Jahr den Entwurf zu einem Bundesgesetz über die Besteuerung des privaten Wohneigentums - mit Erfolg - bekämpft. Die Vorlage wollte zwar den Eigenmietwert streichen, im Gegenzug aber weitgehend auch die Abzüge für Unterhalt und energetische Massnahmen. Ein wichtiger Mosaikstein ist auch das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen, das unter anderem aus den Mitteln der Teilzweckbindung der CO2-Abgabe finanziert wird, und mit dem die klimapolitischen Anstrengungen wirkungsvoll unterstützt werden können. Die Raumplanung ist darüber hinaus insoweit gefordert, als die für die energetischen Sanierungen allenfalls erforderlichen Bewilligungen grosszügig und schnell zu erteilen sind.

Charles Buser, Direktor bauenschweiz
Gekürzte Fassung des Referats vom 22. März am Forum Bauindustrie 2012

Revision der Bauprodukteerlasse in Griffweite

Bauprodukte haben eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung: so betragen die jährlichen Bauausgaben gegen 60 Mia CHF, und Bauprodukte werden für mehr als 1.5 Mia CHF exportiert und für circa 4.5 Mia CHF importiert.

Für welche Wirtschaftsakteure sind die Bauprodukte von Bedeutung? Da sind einmal die Unternehmen zu nennen, welche Bauprodukte herstellen, exportieren oder importieren oder die mit diesen Produkten Handel treiben. Weiter sind Bauherren, Planer und Unternehmen anzufügen, welche die Bauwerke mit diesen Bauprodukten bauen und nutzen, sowie Dienstleistungsunternehmen, die Prüf-, Zertifizierungs- und andere Bewertungsleistungen für Bauprodukte erbringen.

In der Schweiz bestehen verschiedene rechtliche Grundlagen: Für das Inverkehrbringen von Bauprodukten gilt das Bauproduktegesetz (BauPG) und seine Ausführungsverordnung (BauPV). Für das Verwenden/Anwenden von Bauprodukten ist vor allem die Interkantonale Vereinbarung zum Abbau Technischer Handelshemmnisse (IVTH) massgebend, die seit dem 04.02.2003 in Kraft ist.
2001 wurde mit dem Bauproduktegesetz und der entsprechenden Verordnung sowie 2003 mit der Interkantonalen Vereinbarung zum Abbau technischer Handelshemmnisse (IVTH) eine mit Europa konforme schweizerische Gesetzgebung geschaffen, die damals die europäische Bauprodukterichtlinie (Construction Products Directive, CPD) übernommen hat. Zwischen 2003 und 2008 wurde  ein neues Kapitel für Bauprodukte (Kapitel 16) im bilateralen Abkommen mit der EU über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen (Mutual Recognition Agreement, MRA) ausgehandelt mit dem Ziel, Handelshemmnisse im Interesse der Schweizer Wirtschaft abzubauen.
Mit dem Inkrafttreten der neuen europäischen Bauprodukteverordnung (Construction Products Regulation, CPR) im April 2011 fehlt es nun an der Gleichwertigkeit der schweizerischen und der europäischen Bauproduktegesetzgebung, welche die Grundvoraussetzung für das MRA-Bauproduktekapitel ist. Ohne eine entsprechende Anpassung des Bauproduktegesetzes und der dazugehörigen Verordnung wird das Kapitel im MRA sistiert oder gestrichen werden. Die Schweiz arbeitet daher an einer Revision der Bauprodukteerlasse, um dieses Kapitel über Bauprodukte im MRA nicht zu gefährden.

Um die Vor-  und  Nachteile dieser Revision abschätzen zu können, betrachten wir die Situation des Bauproduktesektors mit und ohne MRA.
Mit dem MRA: die Teilnahme der Schweizer Hersteller am Markt der EU, des EWR und der Türkei „mit gleich langen Spiessen“ im Vergleich zu Wettbewerbern aus diesem Markt ist sichergestellt. Schweizer Dienstleistungsunternehmen wie z. B. Prüfstellen können ihre Dienstleistung europaweit anbieten. Von der wechselseitigen Marktöffnung profitieren auch die Verwender von Bauprodukten aufgrund eines deutlich grösseren Produktangebots und eines entsprechenden Wettbewerbs. Nicht zuletzt können Gefahren für die Verwenderseite von Bauprodukten aus der einseitigen Anwendung des Cassis-Prinzips vermieden werden.
Ohne das MRA: wegen der einseitigen Anwendung des Cassis-de-Dijon-Prinzips könnten Bauprodukte aus der EU, dem EWR und der Türkei (die weltweit hergestellt sein können und legal in EU/EWR/Türkei auf den Markt gebracht wurden) in die Schweiz eingeführt und hier ohne zusätzliche Handelshemmnisse (wie beispielsweise Doppelprüfungen, wiederholte Zertifizierungen, besondere nationale Zulassungsanforderungen) auf den Markt gebracht werden. Ein entsprechendes Gegenrecht für Schweizer Produkte in der EU/EWR/Türkei bestünde nicht. Das Produktesicherheitsgesetz käme ohne sinnvolle Anpassung an die Erfordernisse des Bauproduktebereichs voll zum Tragen. Zudem wären teilweise zusätzliche und strengere Anforderungen in Schweizer Gesetzen, die neben BauPG/BauPV anzuwenden sind und eigene Konformitätsverfahren verlangen (z.B. Luftreinhalte-Verordnung), zu berücksichtigen.

Diese Situation wäre für die Schweizer Wirtschaft mit bedeutenden Nachteilen verbunden: es ergäbe sich für den Anwender eine gewisse Sicherheitsproblematik, da „irgendwelche“ Produkte ins Land kommen könnten. Für Schweizer Hersteller entstünden Wettbewerbsnachteile und erhebliche Zusatzkosten durch Doppelprüfungen, wiederholte Zertifizierungen oder besondere nationale Zulassungsanforderungen sowie durch die Notwendigkeit eines Bevollmächtigten für den EU-Markt. Dienstleistungsunternehmen wie Prüfstellen könnten ihre Dienstleistungen nicht mehr europaweit anbieten.

Die Zielsetzung der Revision der Bauprodukteerlasse besteht nun darin,  wichtige Elemente der neuen europäischen Bauprodukteverordnung in das BauPG und die BauPV umzusetzen, um die Gleichwertigkeit der Rechtsvorschriften im MRA-Bauproduktekapitel wiederherzustellen und damit die Weiterführung des Kapitels 16 des MRA sicherzustellen.

Welches sind nun die Vorteile der revidierten Bauproduktegesetzgebung? Die Revision vermeidet nicht nur Nachteile, sondern bringt auch vor allem wichtige Vorteile gegenüber der jetzigen Bauproduktegesetzgebung:

  • Marktorientierung: Das revidierte Bauproduktegesetz geht davon aus, dass grundsätzlich der Verwender (Planer, Bauherr, Unternehmer des Bauhaupt- oder Baunebengewerbes) bestimmt, ob ein Produkt für ein konkretes Bauwerk brauchbar ist oder nicht
  • Transparenz: Die Leistungserklärung als zentrales Element der neuen europäischen Bauprodukteverordnung richtet sich nach den seit Jahren bekannten und auch in der Schweiz angewandten harmonisierten Normen und Technischen Bewertungen („Zulassungen“)
  • Vereinfachungen: Vorgesehen sind Verfahrensvereinfachungen bei den Konformitätsbewertungsverfahren (insbesondere für KMU)
  • Rechtssicherheit: Dem Verwender werden verlässliche Informationen zu den Produktleistungen über die gesamte Lieferkette hinweg zugänglich gemacht, weil andernfalls Gefahren für die Bauwerkssicherheit drohen würden
  • Mit der Integration des Produktesicherheitsrechts für Bauprodukte in das BauPG soll den Wirtschaftsakteuren die Übersicht über ihre Verpflichtungen wesentlich erleichtert und die Verantwortung auf ein der Verhältnismässigkeit entsprechendes Mass begrenzt werden.

Umsetzungsphase
Das Revisionsprojekt wurde nach der Publikation der CPR im Amtsblatt der EU im April 2011 umgehend gestartet. Die Revisionsarbeiten am BauPG und an der BauPV werden durch zwei Arbeitsgruppen eng begleitet. Neben einer bundesinternen Arbeitsgruppe wird die bundesexterne Sicht von Vertretern der Eidgenössischen Kommission für Bauprodukte und dabei auch von bauenschweiz eingebracht.  Für den weiteren Verlauf ist folgender Zeitplan vorgesehen: Die Ämterkonsultation erfolgt im Frühling 2012. Anschliessend werden die  Erlasse dem Bundesrat unterbreitet, der über die Vernehmlassung entscheidet. Diese soll mindestens drei Monate dauern. 2013 ist die  parlamentarische Beratung vorgesehen, und die Erlasse könnten 2014 in Kraft treten.
Auch wenn diese Materie komplex und nicht leicht verständlich ist, ist es doch für den Schweizer Bauproduktebereich von grosser Bedeutung, dass die Voraussetzungen für das Weiterbestehen des Kapitels 16 des MRA geschaffen bzw. aufrechterhalten werden. Das geplante Revisionsvorhaben erfüllt diese Voraussetzung und verdient deshalb die Unterstützung der Bauwirtschaft.

Dr. Peter Schmalz, Mitglied der eidgenössischen Kommission für Bauprodukte und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Bauprodukte von bauenschweiz



Zuversichtliche Lagebeurteilung im Baugewerbe

Hoch- und Tiefbau waren durch Frost paralysiert

Für die Gesamtbauwirtschaft zeigen die vergangenen Monate einen recht unterschiedlichen Verlauf: Während das Bauausführungsgewerbe durch die Wetterkapriolen des Winters gekennzeichnet war, erfreute sich der vorgelagerte Projektierungssektor einer guten bis befriedigenden Geschäftslage. Für die kommenden Monate ist bei der Bauausführung ein Nachholbedarf angesagt und bei den Planungsbüros wird eine Stagnation auf hohem Niveau erwartet. Die Gesamtwirtschaft hat das Winterhalbjahr 2011/12 besser überstanden als erwartet, wie die BAK Basel in ihrer neuesten BIP-Prognose feststellt. Sie sieht beim Wirtschaftswachstum für 2012 eine Abschwächung auf 0,7% und weist für die Bauinvestitionen für das laufende Jahr eine Steigerung um 2,0 % aus.


Gute Stimmungslage in der Baubranche

In ihrer bei den Unternehmungen im Januar gemachten Umfrage diagostizierten die Konjunkturforscher der KOF-ETH für einzelne Branchen der Gesamtwirtschaft deutlich rezessive Tendenzen. Die Baubranche verhält sich atypisch: Ihre Stimmung ist etwas besser geworden und nähert sich wieder dem guten Niveau von 2010. Wie die KOF-Umfrage weiter feststellt, übertreffen die positiven Rückmeldungen zur Geschäftslage die negativen Stimmen bei Weitem, jedoch nicht mehr so stark wie Mitte 2011. Zudem sind die Auftragsbücher noch für weitere Monate gefüllt, der Auftragsbestand wird tendenziell als hoch eingestuft, insgesamt aber ein wenig schwächer als noch im vergangenen Sommer. Saisonal nahmen die witterungsbedingten Hemmnisse wieder zu, dafür hat sich der Engpass an Arbeitskräften merklich entspannt. Die Beschäftigung verblieb in den letzten Monaten unverändert. Die Kapazitäten sind weiterhin stark ausgelastet.


Auf Jahresendspurt folgte Froststillstand

Dem bis in den Dezember hinein baufreundlichen Jahresende folgte nach der Weihnachtspause der Wetterkontrast mit dem ungewöhnlich frostigen Februar. Das zeigte sich besonders in einem zeitweiligen Stillstand im Tief- und Rohbau infolge eingeschränkter Möglichkeiten der Zement-, Kies- und Betonverarbeitung. Als Folge dieser Situation ist der ansonsten dynamischen Baukonjunktur eine kurze Pause verordnet worden, wie die Erhebungen im neuesten "Bauindex" ausweisen: Diese wetterbedingte Zwangspause mit einem Rückgang um 4 % gegenüber dem Vorquartal folgte auf den starken Anstieg des Vorquartals und erstreckt sich über alle Bausparten. Vor allem der Wohnungsbau dürfte diese erwartete Umsatzeinbusse zu Jahresanfang über die kommenden Quartale wieder gutmachen, erwartet der Bauindex. Die Wohnbau- Pipeline ist prall gefüllt: Die Anzahl baubewilligter Wohnungen und Häuser hat 2011 mit rund 51'500 Einheiten den höchsten Stand seit 1994 erreicht. Hinzu kommen im Bau befindliche Wohnungen, deren Anzahl sich im dritten Quartal 2011 auf annähernd 71'000 summierte.


Projektierungssektor mit hoher Auslastung

Im Planungssektor haben die Auftragsbestände nochmals zugelegt, sodass im Durchschnitt die Projektierungsbüros  bereits jetzt bis Ende des Jahres mit Arbeit ausgelastet sind. Das geht aus der im Auftrag des SIA durchgeführten die KOF-Umfrage hervor. In den Architekturbüros scheinen sich Nachfrage und Leistung für die nächsten Monate auf hohem Niveau zu stabilisieren. Der Auftragsbestand hat weiter zugenommen, so dass die Architekturbüros für rekordhafte 13 Monate im Voraus ausgelastet sind. Gut ein Drittel der Architekten beobachtet steigende Bausummen im Wohnungsbau, hingegen ist der gewerblich-industrielle Bau rückläufig.
Die Ingenieurbüros melden laut KOF-Umfrage eine gute derzeitige Geschäftslage, erwarten aber eine Stagnation bzw. eine leichte Verschlechterung. Auffallend ist der eingetrübte  Ausblick der Gebäudetechnikingenieure, da diese gemäss SIA ihren Auftragsbestand abgebaut haben.


Bauhauptgewerbe:
Verlängerter Herbst rundet starkes Rohbaujahr ab

Die Umsätze im Bauhauptgewerbe sind im vierten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahresquartal nominell um 5,4% auf 5,2 Mrd. Fr. gestiegen. Für das gesamte Jahr wurden Rohbauarbeiten in Höhe von 19,7 Mrd. Franken generiert, was ebenfalls einem Plus von 5.4% gegenüber 2010 entspricht. Gemäss der Quartalsstatistik des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) erfreulich entwickelten sich 2011 vor allem der Tiefbau (+9,5%) und der Wohnungsbau (+7,8%). Der Wirtschaftsbau brach um 9% ein. Witterungsbedingt dürfte das erste Quartal 2012 etwas schwächer ausfallen, worauf auch die Bauvorhaben für dieses Quartal hindeuten (-10.4%).
Neben dem nominellen Umsatzanstieg entwickeln sich auch die Auftragseingänge (+9%) sehr erfreulich. Die Arbeitsvorräte nahmen um 6.6% zu und beliefen sich Ende Jahr auf über 11 Mrd. Franken, heisst es vom SBV.

Ausbau und Gebäudehülle
Laut dem Gebäudetechnikverband suissetec wird die Geschäftslage im 1. Quartal 2012 von den Befragten aus der Sanitärbranche als mittelmässig eingestuft. In der Heizungsbranche ist die Beurteilung seit längerem erstmals wieder negativ ausgefallen. Die Geschäftslage wird in diesem Segment als so negativ eingestuft wie letztmals Mitte 2004, schreibt suissetec. Die Reichweite des Auftragsbestandes ist im Sanitärbereich stark, im Heizungsbereich leicht gesunken. Während die erwarteten Auftragseingänge im Sanitärbereich weiter rückläufig sind, blicken die Unternehmer der Heizungsbranche wieder etwas optimistischer in die Zukunft.

In der Gebäudehülle-Branche setzt die Geschäftslage im ersten Quartal 2012 seine Talfahrt weiter fort. Gemäss der Beurteilung durch den Verband der Gebäudehüllen-Unternehmungen hat sich der erwartete Auftragseingang im Vergleich zum Vorquartal leicht verbessert. In der Gesamtwertung überwiegen die negativen Meldungen noch mit 3%. Das Volumen der Auftragsbücher in der Gebäudehülle-Branche bleibt stabil und liegt momentan bei 3.5 Monaten (Vorjahres-Quartal: 3.2 Monate).

In den Branchen Boden-, Wand- und Deckenbeläge wird der Auftragsbestand trotz saisonal üblicher Schwäche als sehr gut bezeichnet. Hingegen fällt die Beurteilung des zukünftigen Auftragseingangs äusserst schlecht aus, stellt  die Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie (ISP) fest.


Fazit und Ausblick

Trotz baldiger Rückkehr auf ein Wachstum am Bau dürfte sich dieses mittelfristig abflachen: Kapazitätsengpässe und strukturelle Branchenprobleme schränken das Wachstumspotenzial ein. Vor allem im Hochbau machen Fachkräftemangel und intensiver Wettbewerb vielen Unternehmen zu schaffen. Der Tiefbau profitiert weiterhin von hoher Nachfrage nach Infrastruktur- und Verkehrsbauten und deren Finanzierbarkeit aufgrund ausgeglichener öffentlicher Haushalte. Einzig der Wirtschaftsbau leidet weiter unter trüben Konjunkturaussichten und zurückhaltender Investitionsneigung der Unternehmen.
Mit Blick auf die Erwartungen rechnet die Mehrzahl der Betriebe des Baugewerbes laut KOF-Umfrage mit einer stabilen oder sich leicht verschlechternden Geschäftslage und Nachfrage. Eine steigende Zahl von Firmen erwartet eine Verschlechterung, jedoch gehen immer noch die meisten Firmen trotz einer leichten Beschäftigungsabnahme von einer unveränderten Ertragslage aus.
Im Bauhauptgewerbe deuten die rückläufigen Bauvorhaben (-10.4 % gegenüber dem Vorjahr) für das laufende, erste Quartal 2012 auf eine Abnahme der Bautätigkeit hin. Dies dürfte aber in erster Linie auf die Witterung zurückzuführen sein, heisst es vom SBV. Viele Baufirmen nutzten die witterungsbedingten Pausen zum Abbau der Überstunden aus dem Herbst. Die nach wie vor hohe Zahl der baubewilligten Wohneinheiten und die mehr als soliden Auftragseingänge stimmen den SBV auch für das Sommerhalbjahr zumindest vorsichtig optimistisch.
                                                                                                                                
Curt Mayer, Redaktor


Baukonjunktur-Barometer März 2012

Baukonjunktur-Barometer März 2012
4. Q. 20101. Q. 20112. Q. 20113. Q. 20114. Q. 20114. Q. 20101. Q. 20112. Q. 20113. Q. 20114. Q. 2011
Planung (KOF/SIA) Urteil aktuelle Geschäftslage Urteil Geschäftslage in 6 Monaten
Insgesamt42338646113155-2-6
Architekturbüros353215666116151262
Ingenieurbüros46333716611151-10-12
Bauhauptgewerbe (SBV)Aktuelle Geschäftslage (Bautätigkeit) Auftragsbestand
Insgesamt415325-27667
          
Hochbau211-3-4544-1-55
 - Wohnungsbau316221481312-511
 - übriger Hochbau-2-7-8-12-9-2-7-19-9-9
          
Tiefbau6201076-6910148
          
öffentlicher Bau321745-9711158
Privater Bau61210668-1-45
Ausbau und Gebäudehülle (KOF) Urteil aktuelle Geschäftslage Reichweite Auftragsbestand in Monaten
Boden-/Wand-/Deckenbel. (ISP)           9          26       22      35 6         3.0    4.0      3.0       4.0       3.5
          
Sanitärgewerbe (suissetec)         41          47       67      61 24         4.0    5.5      3.5       5.5       3.0
          
Heizungsgewerbe (suissetec)         54          12       15      12 -4         4.0    2.5      3.5       3.5       3.0
          
Dachdecker (Gebäudehülle Schweiz)         48          59       73      60 37         3.0    5.0      3.5       3.5       3.5
          
Elektroinstallationsgew. (VSEI)         85          85       91      84 79         4.5    4.0      5.5       4.5       4.5
          
Maler- und Gipsergewerbe         35          67       85      75 70         4.0    5.0      4.0       4.5       4.5
          
Metallbaugewerbe (SMU)           0          -1         0        3 -9         3.5    3.0      4.0       3.5       3.5
          
Schreinereigewerbe (VSSM)         55          28       51      47 48         3.5    3.5      3.0       3.5       3.0
Produktion und Handel
Cemsuisse 4. Qu. 20101. Qu. 20112. Qu. 20113. Qu. 20114. Qu. 2011
Lieferung in Tonnen1'101'8611'020'4161'303'8131'257'6511'105'259
Veränderung in % zum Vorjahr5.121.2-1.4-2.30.3
① Differenz zwischen den Anteilen positiver und negativer Meldungen in %
② Nominelle Umsätze in CHF, Veränderung in % zum Vorjahresquartal
③ Nomineller Auftragsbestand in CHF per Ende Quartal, Veränderung in % zum Vorjahresquartal